Miriam Nonnenmacher

Miriam Nonnenmacher

Miriam Nonnenmacher

Miriam Nonnenmacher gewinnt die erste Vorrunde zum Haidhauser Werkstattpreis 2013. Mit humorvollen, hintergründigen, wendungsreichen und starken Texten „Von der Liebe“ gewann sie die Gunst des Publikums im überfüllten Münchner Literaturbüro.

Vita:

wird nachgereicht.

Der prämierte Text

Über Kunstgeschichte

Mach Dir keine Sorgen. Da gibt es keinen Grund für.“ Und dann küsst er mich und wirft die Tür ins Schloss und dann ist er weg.

Es ist Freitag Abend und mein Freund ist mit einer Freundin verabredet, einer ganz gebildeten Ärztin und will da seine Gedanken austauschen und ich muss alleine mit mir denken.

Und da frage ich mich schon, was ich da denken soll, so ganz alleine.

Ich bin nicht eifersüchtig, die ist wirklich nicht sein Typ, mit der will er sich einfach nur so unterhalten, das geht so wahnsinnig gut mir der, weil sie so gebildet ist, wie er.

Die Ärztin kennt da so ein nettes Restaurant, das wurde ihr von nem guten Freund empfohlen, ist ein Insider-Tip.

Und ich frage ich mich einfach, was er da macht, mein Freund, am Freitag Abend, in diesem niveauvoll gehobenen Ambiente, das sie ausgesucht hat, denn sie hat Geschmack und Stil, es ist nicht so, dass er verliebt in sie ist, er will sich einfach nur so unterhalten.

Es ist halt eine interessante Frau, sagt mein Freund.

Und da sitzt dann mein Freund, mit dieser interessanten Frau bei einem Gläschen Wein, um sich einfach nur so zu unterhalten.

Ich bin nicht eifersüchtig.

Sie ist wirklich nicht sein Typ, da geht es mehr um – Kunstgeschichte – , das interessiert halt diese jugendliche Ärztin und auch meinen Freund, da würde ich mich gar nicht recht amüsieren, mit den beiden da bei Kerzenschein und Wein und Kunst und dann gelangen sie zum Wesen der Welt, sie führen da so ein anregend niveauvolles Gespräch im gehobenen Ambiente bevor sie dann zu ihr gehen, in ihre Wohnung mit den vielen Antiquitäten, sie kocht auch wahnsinnig gut französisch, diese hübsche Ärztin, die mit meinem Freund rein intellektuell auf anderen Sphären schwebt, mein Freund ganz erregt von der niveauvollen Konversation.

Das ist so ne Sache, nur zwischen den beiden, das macht ihn dann so richtig an, bei einem Coc au vin, ihre gebildeten Ideen und unkonventionellen Einfälle, wie sie ihn da am Freitag Abend so richtig auf Touren bringt unter elitären Akademikern,

ihn stimuliert das so – rein geistig freilich- , diese wahnsinnig gebildete schöngeistige Oberärztin, die eben intellektuell so voll sein Typ ist.

Mein Freund ist ein intellektueller Flachwichser.

Da kann er sich bei der Unterhaltung über Kunstgeschichte intellektuell so richtig einen runterholen, bei einem Prosecco oder bei Zweien, in der Opernpause, da hat sie noch Karten besorgt für später, denn sie kennt den Intendanten persönlich, noch so einen Penner in diesem Swingerclub der Schöngeister.

Geil ist das schon, wie es sich mein Freund da intellektuell besorgt, so ein elitärer Orgasmus, rein mental gewichst zu Barolo und Beethoven, um wieder klarzukommen, auch mit dem Selbstwertgefühl.

Fremdgehen ist auch intellektuell möglich, denke ich mir und da frage ich mich schon, was ich jetzt denken soll, ganz allein mit meinen Gedanken.

Ich brauche ein Bier und einen bodenständigen Mann. Gar nicht so zum unterhalten, mehr so zum Bier dazu, einen One-Night-Stand, gar nicht so intellektuell mein Typ, eher so einen echten Kerl, einen Mann mit dem Herz am rechten Fleck, einen muskulösen Mann, denn der Körper formt den Geist gleich mit, da geht es gar nicht so ums Unterhalten.

Ich meine so einen Mann mit dem ich einen Volkstanz tanze, bevor er mich in seine starken Arme nimmt, so zur echten Stimulation, das hilft auch mental was.

Ich kann nämlich selber Mindfuck betreiben, um ein bisschen klarzukommen, auch mit dem Selbstwertgefühl, mir bleibt nichts anderes übrig.

Und irgendwann steht mein Freund vor der Tür.

Da bin ich wieder!”, sagt er und fragt: “Was hast denn Du den Abend lang gemacht?”

An einen One-Night-Stand gedacht!” sage ich und schau ihm tief in die Augen.

Ich warte und stelle mir vor, was er sich vorstellt, was ich mir vorgestellt habe und die Bilder in seinem Kopf.

Mach Dir keine Sorgen. Da gibt es keinen Grund für!“, sage ich schließlich und dann nehm ich ihn in meine Arme, damit er nicht mehr so viel denken muss.

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Eingeordnet unter Lesungen, Offener Abend, Prosa, Uncategorized, Wettbewerb

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